Teeplantagen in Kericho

Von wunderschönen, grünen Teefeldern umringt, besuchten wir im Laborkittel eine Teefabrik. Doch bevor wir in das Zentrum der kenianischen Teeindustrie eintauchen konnten, mussten wir uns mit der Realität konfrontieren: Wurden wir beklaut oder waren wir einfach nur tollpatschig?

Teeplantagen in Kericho

Obwohl wir morgens sehr früh nach Kericho, unserem nächsten Stop, fahren wollten, lief es anders, als gedacht.

Tom fand seine Kreditkarte nicht und er war sich sicher, dass er sie gestern, vor Verlassen der Wohnung, auf dem Schreibtisch liegen gelassen hatte. Dadurch, dass wir außerdem schon seit ein paar Tagen, circa 40€ vermissen, fragten wir uns, ob es geklaut wurde.

Sicher waren wir uns nicht, ob wir es tatsächlich nicht ausgegeben oder verloren haben, doch Tom war 99% überzeugt, dass er die Kreditkarte zuhause gelassen hatte. Wir stellten das Zimmer auf den Kopf, aber die Suche blieb erfolglos.

Als das Geld abhanden kam, verdächtigten wir das Hausmädchen, dass unser Zimmer an diesem Tag, mit ausdrücklicher bitte, es nicht zu tun, trotzdem gemacht hatte. Sicher konnte wir uns aber nicht sein, also sagten wir nichts. Heute morgen jedoch, als er die Kreditkarte nicht mehr fand, entschieden wir uns etwas zu sagen. 

Ich muss zugeben, die Situation war komisch. Warum sollte sie eine Kreditkarte klauen? Es ist so einfach, sie zu sperren. Das mit dem Geld verstehe ich, aber mit der Karte war ich skeptisch. 
Jedenfalls benachrichtigten wir unseren Host darüber, sagten nicht direkt, dass wir sie beschuldigten, aber wir deuteten es an.

Die Situation war unangenehm. Im Endeffekt konnten wir nichts machen, sogar wenn es geklaut wurde, würden sie eh nichts sagen. Ich denke ehrlich nicht, dass unsere Hosts etwas damit zu tun haben, sondern falls es jemand war, dann das Hausmädchen oder wir selbst!

Natürlich ohne Lösung des Problems und einem schlechten Gefühl auf beiden Seiten, verließen wir die Wohnung um den Bus nach Kericho zu nehmen. Wir hatten eigentlich einen sehr guten Aufenthalt in dieser Wohnung, bis auf diesen Vorfall, der ungeklärt bleiben wird.

Mit dem Rücksack auf dem Rücken, liefen wir die 2km ins Zentrum, kauften Wasser, Proviant und suchten den Minibus nach Kericho. Es war mittlerweile schon 12:00 Uhr. Eigentlich wollten wir um diese Zeit schon dort ankommen, da wir ja nur eine Nacht bleiben wollten, man muss aber flexibel bleiben. Wegen der Weihnachtszeit waren die Busse teurer als normal, und wir mussten natürlich wieder warten, bis das Auto voll war, bevor wir starten konnten.

Während der Fahrt wurden wir von lautstarker Musik bei Laune gehalten. Es gab zwei Lautsprecher und die nächsten Stunden ertönte fröhliche, kenianische Musik!

Ich war überrascht und glücklich, da der Fahrer dieses Mal nicht ganz so verrückt Auto fuhr. Es war zwar alles etwas zu schnell und die anderen überholten wie verrückt, wodurch sie jeden in Gefahr brachten, aber es war so viel besser, als das letzte Mal. 

Die Landschaft war wieder sehr grün und richtig schön! Als wir uns Kericho näherten sahen wir ganz viele Teeplantagen. Herrlich! Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir in diesem kleinen Ort an und spazierten zu unserem Hotel. Hier gab es weder Airbnb, noch Couchsurfing und wir buchten die billigste Unterkunft.
Unser Zimmer war klein und mit einem Fenster zum Flur gerichtet, aber sehr sauber.

Kericho hat 45.000 Einwohner und der Grund, warum wir diese Stadt besuchten, waren die Teeplantagen. Es ist das Zentrum des bedeutendsten Teeanbaugebietes des Landes. Daher möchten wir natürlich die Plantagen sehen und eine Fabrik besuchen, um auch davon etwas zu lernen.

Wusstest du, dass Kenia das bedeutendste Land in der Teeproduktion in Afrika ist? Es gehört sogar zu den fünf größten Tee-Herstellungsländern der Welt! 

Wir zogen direkt los, um den Besuch zu organisieren und sprachen mit der Rezeptionistin unseres Hotels. Danach gingen wir zum Tea House Hotel, um dort zu fragen und bekamen leider nicht viel Hilfe bezüglich unseres Plans.
Ebenso versuchten wir bei der Fabrik anzurufen, um nach einer Führung zu fragen, jedoch ohne Erfolg.

Während wir durch die kleine Stadt spazierten stellten wir fest, dass die Leute viel freundlicher waren, uns aber auch viel mehr ansahen als sonst. Teilweise drehten sich einige um, schauten uns immer wieder an und ein kleines Mädchen zeigte sogar mit dem Finger auf uns und schrie: „Musungu“. Eine Bezeichnung für weiße Personen.

Viele Leute begrüßten uns mit: Willkommen! Hallo! Frohe Weihnachten! Einige näherten sich sogar, um einfach ein paar Sätze mit uns zu sprechen. Wie fühlten uns sehr willkommen in dieser Stadt!

Eine Gruppe Männer stand am Straßenrand und spielten Dame. Wir näherten uns, schauten zu und kamen direkt mit Ihnen ins Gespräch. Vor allem einer von Ihnen, Peter, hatte viel zu erzählen und er war sehr nett. Sein Englisch war sehr gut und ich nutze die Gelegenheit ihn über den Teeanbau auszufragen. Daraufhin bot Peter uns sofort an, morgen herumzuführen und mit uns zur Fabrik zu fahren, um sie zu besuchen. Nach genauerem Nachfragen, entschieden wir uns tatsächlich, uns mit ihm zu verabreden.
Uns war unklar, ob er dafür Geld wollte oder nicht. Wir fragten zwar nach und er verneinte, aber dennoch werden wir erst morgen feststellen, was Sache ist.

Die Kenianer forderten Tom heraus ein Spiel zu spielen und er nahm die Einladung fröhlich an. Er verliert zwar, aber es war richtig lustig auf der Straße, von mindestens 10 Männern umringt mitzuspielen. Alle lachten und kommentierten, ich machte Fotos und genoss den witzigen Moment.

Geweckt wurden wir von einem Gospelchor. Ziemlich laut ertönte der Gesang einer Gruppe, die in unmittelbarer Nähe schien, um 06:30 morgens. Der Gesang war jedoch recht angenehm, sodass wir es positiv sahen und den Tag früh begannen. Generell haben wir festgestellt, das der Tag in Kenia früh beginnt. Alle stehen früh auf, wir sollten uns also daran gewöhnen!

Da unsere Unterkunft ein Hotel war, gab es ein Frühstück, das im Preis inbegriffen war. Positiv überrascht empfing uns ein netter Mitarbeiter, zeigte uns das Buffet, welches eine große Auswahl hatte. Heißgetränke, Säfte, Müsli, Gebäck, Obst, traditionelles Essen wie Erbsen und Süßkartoffel, sogar wurden uns Eier auf Wunsch und nach Geschmack zubereitet. 

Ich hatte diesen Service und die Auswahl gar nicht erwartet und es gab eine tolle positive Frühstücksüberraschung. Was für eine Abwechslung zu unseren alltäglichen Haferflocken!

Nachdem wir ausgechenckt hatten, ließen wir unsere Rucksäcke an der Rezeption und starteten, zusammen mit Peter, unser heutiges Abenteuer. An der Hauptstraße nahmen wir einen Matatu zum nächsten Dorf, wo wir die Zentrale der Teefirma betraten. Peter meldete uns an und circa 20 Minuten später wurden wir in ein sehr großes Büro eines Mannes gebracht, der uns mit heißem Tee empfing. Es machte den Anschein, dass dieser Mann ein Chef, ein Manager oder zumindest eine wichtige Person war, denn er konnte uns den Besuch in der Fabrik genehmigen.

Wir saßen also alle vier am Tisch, mit einem Chef einer kenianischen Teefirma, und tranken Tee. Peter stellte uns als „wichtige Personen aus Deutschland“ vor. Die Situation war echt witzig, denn wir waren nichts weiter als neugierige Touristen. Nach ein paar Telefonaten bekamen wir die Genehmigung für den Besuch. Wir bedankten uns herzlich, alle tauschten Telefonnummern aus, warum auch immer, und wir machten uns auf den Weg.

Es gab bestimmte Regeln, das Grundstück zu betreten. Man musste zum Beispiel, wenn man mit einem Motorradtaxi kommt, eine Warnweste und einen Helm tragen, außerdem durfte man nur zu zweit auf einem Motorrad sitzen. (Normalerweise fährt man ohne Helm und mehr als 2 Personen passen locker auf den Roller)

Wir durchquerten die Eingangskontrolle und fuhren entlang einer wunderschönen Landschaft aus Teeplantagen. Alles war grün, so weit man sehen konnte nur Tee.

An der Fabrik angekommen wurden wir registriert und uns wurde ein Besucherausweis ausgestellt. Der Fabrikmanager Felix begrüßte uns und wir bekamen eine Privatführung, die mit einer Powerpoint Präsentation begann.

Eigentümer dieser Teefirma ist übrigens das bekannte Unternehmen, Unilever. Zu ihr gehören viele Marken dieser Welt. Zum Beispiel: Knorr, Dior, Magnum, Lipton und viele mehr.

Bevor wir die Tour starten, wurde uns der ganze Prozess schonmal erklärt und dann mussten wir uns nach den Sicherheitsvorschriften kleiden. Das beinhaltete einen weißen Kittel, ein Haarnetz, einen Mundschutz, Ohrenschutz und Schuhe. Wir sahen richtig lustig aus, wie Labor Leute. Natürlich machten wir an dieser Stelle Fotos, aber in der Fabrik durften wir leider keine machen.

An dieser Stelle möchte ich nicht den Prozess, den wir gesehen haben, nacherzählen. Ich bin mir nämlich sicher, dass ich mich nicht ganz korrekt an alle Informationen erinnere, sodass ich keinen Schmarrn erklären möchte. Dennoch möchte ich ein paar Sachen erwähnen, die mir aufgefallen sind.

Wir durften zum Beispiel die Teeblätter, in jeder Abteilung anfassen, riechen und vergleichen. So konnte man feststellen wie sich die Farben und die Düfte verändern. Auch war ich darüber überrascht, dass sie eigentlich überhaupt nichts zum Tee hinzufügen, sondern ausschließlich die natürlichen Prozesse der Pflanze unterstützen. Keine Zusatzstoffe.

Nachdem wir alle Prozesse in den verschiedenen Hallen betrachtet und besprochen hatten, führte man uns in das Testlabor. Dort trafen wir auf den Teetester. Er sagte, dass man jahrelange Erfahrung haben muss, um mit einem Schluck, die Qualität prüfen zu können. Es gab auf dem Tisch verschiedene Tassen mit Tee, einen Löffel und einen Spuckeimer. Er nahm einen Schluck mit dem Löffel und spuckte es wieder aus. Das ging alles recht schnell und sah ziemlich lustig aus.

Danach waren wir an der Reihe und durften das Gleiche machen. Ob ich einen Unterschied bemerken würde? 

Ich musste so lachen, als ich zusah, wie Tom den Tee schlürfte und wieder ausspuckte. Als ich dann an der Reihe war, war es wohl genauso komisch und so fühlte es sich auch an. Einen Unterschied schmeckte ich nicht wirklich und es wurde bestätigt, dass ich keine Ahnung von Tee habe. 

Nach der Verkostung war die Führung zu Ende, es wurden wieder mal fleißig Nummern ausgetauscht, bevor wir uns verabschiedeten.

Glücklich und zufrieden waren wir über unsere kostenlose Privatführung, in dieser Teefabrik in Kenia. Äußerst interessant die Schritte und den Prozess live zu erleben und mehr vom Land zu lernen. Es lohnt sich in Kericho einen Halt zu machen!

Klitschnass vom Regen, liefen wir zurück in die Stadt, da wir vergessen hatten die Kontaktdaten von unserem Motorradtaxi zu nehmen. Also mussten wir  ungefähr 4,5km in der Nässe laufen. Wir luden Peter zum Mittagessen ein, bedankten uns sehr herzlich für seine Zeit und den gelungenen Tag. Damit beendeten wir das Abenteuer in Kericho.

Bist du ein Teetrinker? Wenn ja, sieht doch mal nach, ob du kenianischen Tee zuhause hast und gar nichts davon weißt!



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