Der Donauradweg: Marbach-Melk-Krems
Wir radeln durch die Wachau, einer der schönsten Strecken entlang der Donau! UNESCO-Weltkulturerbe, Weinberge, Marillenplantagen und köstliche Verkostungen sehen auf dem Programm. Österreichischer Wortschatz inklusive.
Der Donauradweg:
Marbach - Melk - Krems
05.07.2020
Im kleinen niederösterreichischen Städtchen Melk wollten wir unbedingt genügend Zeit bleiben, um uns nicht nur das Stift Melk anzusehen, sondern auch durch die Gässchen der Stadt zu schlendern.
Eine kleine Gaststätte namens Fährhaus, direkt an der Donau, hatte eine Wiese nebenan, auf der man Zelten kann. Wir radelten die 16km von unserem Campingplatz nach Melk und schlugen mittags unser Zelt auf. Direkt unter einem wunderschönen, großen Baum durften wir es uns gemütlich machen.
Campingplatz Fährhaus Melk: 16,20€
Die Besitzer des Gasthofes waren so freundlich, sodass wir auch dort zu Mittag essen wollten und wurden von den Köstlichkeiten nicht enttäuscht! Endlich mal wieder gute, vegetarische, österreichische Küche! Endlich konnte ich wieder Knödel essen. Sie waren mit Ei in der Pfanne gebraten und köstlich! Ich bin übrigens ein großer Fan von Knödeln! In allen vegetarischen Variationen schmecken sie mir. In Bayern gibt es sie ebenfalls ganz typisch in jedem bayrischen Restaurant, doch hier in Österreich werden viel mehr Varianten und Geschmacksrichtungen angeboten.
Woher kommen sie eigentlich ursprünglich?
Nach der Stärkung gingen wir zu Fuß in die Stadt und direkt den steilen Weg zum Stift Melk hinaus. Wie ich bereits erwähnt hatte, ist von Corona keine Spur in Österreich. Bisher hatte ich nur einmal meine Maske benutzt, genauer gesagt, in der Tram in Linz. Doch zum Besuch des Gebäudes musste man eine Maske tragen und wir hatten uns schon so an die Nichtexistent des Viruses gewöhnt, dass wir sie total vergessen haben. In der Fahrradtasche war sie natürlich die ganze Zeit dabei, doch heute waren wir zu Fuß unterwegs und niemand hatte daran gedacht.
Im Eingangsbereich, wo man die Eintrittskarten erwerben kann, verkaufte die Mitarbeiterin uns aber eine Einwegmaske, die genau für solche Fälle bereit standen. Zurückgehen wollte nämlich niemand für einen Euro mehr.
Eintritt Stift Melk: 12,50€ p.P.
Maske: 1€ p.P.
Eine Führung gibt es zur Zeit nicht, daher gab es nur das Ticket, um sich das Kloster alleine anzusehen. Auf einem Felsplateau erhebt sich das beeindruckende Stift Melk und das Benediktinerkloster zählt seit 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Meiner Meinung nach zurecht!
Zu Beginn geht man durch das moderne Museum und wird durch das Kaiserzimmer geleitet. Ich war positiv überrascht, wie modern die recht alten Kunstschätze inszeniert wurden und somit die Besichtigung interessant gestalteten. Persönlich interessiere ich mich eher für die Architektur des Gebäudes, als für die Kunstobjekte, doch die Inszenierung war klasse!
Im Inneren dürfen keine Fotos gemacht werden, daher kann ich leider nicht zeigen, wie fantastisch schön die Bibliothek ist! Hohe Decken, alte Bücher und ein Gefühl in einem Harry Potter Film zu sein. Genau das beschreibt es wohl am Besten. Wie eine magische Zeitreise, die sich lohnt zu entdecken! Noch zu erwähnen ist, dass diese Bibliothek circa 1800 handgeschriebene Bücher enthält.
Ebenfalls gibt es einen beeindruckenden, pompösen Marmorsaal, der aber anscheinend nicht mehr wirklich aus Marmor besteht. Nur die Türstöcke bestehen noch aus diesem Material. Doch das Deckenfresco von Paul Troger ist ebenfalls sehenswert.
Zum Ende des Rundgangs gelangt man in die Kirche des Stifts. Goldene Verzierungen überall und eine imposante Ausstattung. Hingucker ist die 64 Meter hohe Kirchenkuppel.
Mit dem Besuch des Gebäudes ist der Besuch aber noch nicht zu Ende, denn man kann noch durch den bezaubernden Garten spazieren. Da wir einen sonnigen und warmen Tag erwischt haben, verbrachten wir einige Zeit im Garten und schlenderten umher.
In der Altstadt von Melk kann man sich definitiv nicht verlieren, sie ist überschaulich aber wunderschön. Auch hier sticht die Architekt heraus und man möchte in den Cafés verweilen und den Sommertag genießen. Genau das taten wir und ließen uns ein paar österreichische Köstlichkeiten schmecken.
Fazit des Tages:
Urlaubsstimmung pur! Die kulinarischen Spezialitäten, die Wärme und eine tolle Stadt. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Die Stadt Melk ist Pflicht, wenn man auf dem Donauradweg unterwegs ist!
06.07.2020
Die Wachau ist bekannt und wohl eines der schönsten Strecken auf dem Donauradweg. Hier könnte ich ewig hindurchfahren, denn es ist wahrhaftig traumhaft schön!
Nach dem Frühstück radelten wir los. Wieder in Spazierstimmung, denn in der Wachau müssen wir uns in aller Ruhe die Dörfer und Weinterrassen ansehen, sowie von allem probieren, was wir dürfen.
In der Wachau gibt es viele Weingüter, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Eigentlich habe ich keine Ahnung von österreichischem Wein, kenne den Geschmack der Weine nicht und das soll sich heute ändern! Einfach mal an die Tür klopfen und nach einer Verkostung fragen, war unser Plan. Als wir in Spanien eine Weinreise gemacht haben, hatte diese Strategie funktioniert und wir konnten einfach ein paar Weinsorten probieren.
Ob das auch hier in Österreich klappen wird?
Der Weg führte uns heute durch Marillenplantagen. Marillen sind Aprikosen, doch in Österreich heißen sie eben anders. Neue Wörter lerne ich sehr gerne, denn genau diese Unterschiede machend das Reisen spannend! Die Österreicher haben sehr viele eigene Wörter, deren Bedeutung sich oft denken kann, doch manchmal aber nicht.
Hier ein paar Beispiele:
Schlagobers, Paradeiser, Faschiertes, Sackerl, Busserl ,Erdapfel, Marille
Und, weißt du, was all diese Wörter Bedeuten? Eine Idee? Die Lösung findest du unter dem nächsten Foto.
Schlagsahne, Tomaten, Hackfleisch, Tüte, Küsschen, Kartoffel, Aprikose
Am Wegesrand wurden Kirschen und Marillen verkauft, die wir unterwegs naschten und die Landschaft auf der Fahrt genossen. Als wir dann in das kleine Dorf namens Spitz gelangten, sahen wir auf der Karte, dass es ein Weingut nach dem anderen geben soll.
Unsere Mission der Weinverkostung begann.
Im ersten Weingut begrüßte uns eine nette junge Frau, die den Wein verkauft. Ganz ehrlich teilten wir ihr mit, dass wir mit dem Fahrrad unterwegs sind, nicht vorhaben etwa zu kaufen, doch gerne probieren würden. Natürlich würden wir etwas für die Verkostung bezahlen, wenn es etwas kostet. Mit einem Lächeln verschwand die Frau und kam mit frisch gekühlten Flaschen ihrer Weine zurück. Sie ließ uns drei Sorten probieren und erklärte uns die Weine. Ohne eine Gegenleistung zu erwarten, nahm sie sich die Zeit und Lust uns durch die Verkostung zu begleiten.
Wir lernten, dass es drei Klassifizierungen gibt: Steinfeder, Federspiel und Smaragd.
Duftige Leichtweine bis 11,5 % vol. heißen „Steinfelder“, die klassische Kategorie 11,5 bis 12,5 % vol. heißen „Federspiel“ und die kraftvollen Reserveweine tragen den Namen „Smaragd (ab 12,5 % vol.).
Zufrieden mit dem Erfolg des ersten Weingutes ging es weiter.
Ein paar Häuser später versuchten wir erneut unser Glück, doch der Mann hatte keine Zeit und schickte uns weg. Auf einem kleinen Hügel sahen wir eine wunderschöne Terrasse eines Weingutes, wir fuhren hin, aber leider war es geschlossen. Doch dann streckte ein Mann den Kopf aus dem Fenster des Hause und fragte, was wir wollten. Ich erklärte ihm unser Anliegen, er bat uns einen Moment zu warten und schon standen wir an der Bar des Weingutes mit dem Chef höchst persönlich! Er war unglaublich nett und zuvorkommend, servierte uns vier seiner besten Weine zur Verkostung und erzählte uns über sein Weingut und die Herstellung. Er nahm sich Zeit für uns, obwohl wir nicht in den Öffnungszeiten waren und obwohl er wusste, dass wir nicht vorhaben etwas zu kaufen. Wir ratschten und tranken und waren sicherlich eine halbe Stunde bei dem Wirt.
Uns war es sehr wichtig, ehrlich und offen von Beginn an zu sein, um kein Spiel spielen zu müssen. Warum sollte ich so tun, als ob ich einen Wein kaufen möchte, wenn ich ganz klar sagen kann, was Sache ist. Ich denke das ist besser und auch angenehmer für beide Seiten. Außerdem hat man wiedermal gesehen, dass man herzlich empfangen wurde mit dieser Ehrlichkeit. Und wenn jemand keine Lust hat uns zu bewirten, ist das auch in Ordnung! Bezahlt hätten wir für die Verkostung, doch keiner der beiden wollte Geld von uns.
Der Besitzer Empfahl uns, auf unserem Weg nach Krems, im Weingut Domäne Wachau vorbei zu schauen. Es ist ein großes Gut, sodass sie eine größere Auswahl haben, sowie einen Kellerbesuch anbieten. Den Tipp wollten wir uns nicht entgehen lassen und wir machten uns auf den Weg dahin.
Falls ihr euch fragt, ob wir auf unserer Reise immer in Restaurants essen, ist die Antwort nein. Manchmal ja und manchmal eben nicht. Natürlich wollen wir die leckeren österreichischen Gerichte probieren, doch als Dauerreisender kann man nicht jeden Tag ausessen! Meistens frühstücken wir in unseren Tupperschüsseln Müsli oder Haferflocken und der Rest des Tages wird spontan entschieden. Wir essen aus dem Supermarkt oder im Lokal. Meistens einmal pro Tag etwas Warmes, doch manchmal reicht es uns auch nur zweimal zu essen. Unser heutiges Mittagessen kam aus dem Supermarkt Spar.
Das Dorf Spitz in der Wachau war nicht nur wegen den Weingütern ein Highlight, sondern auch das Dorf selbst war toll. Die Gässchen und die tollen Häuser, inmitten der spektakulären Landschaft machten es wohl aus!
Unbedingt nicht nur durchradeln, sondern die Nebengassen des Weges erkunden und sich Zeit lassen!
Wir haben gehört, dass man durch die Wachau, auf der anderen Seite des Flusses fahren soll, sodass man die Weinberge aus der Ferne beobachten kann und den schönen Ausblick genießt. Ich weiß nicht, ob die andere Seite besser ist, doch vorstellen kann ich es mir nicht. Direkt durch die Plantagen und Weinreben zu fahren war toll! Außerdem befinden sich hier all die Weingüter, sodass es keine Option für uns war, auf der anderen Seite zu Radeln. Eine Brücke gab es auf dem weg von Melk nach Krems nicht, daher musste man sich vorher entscheiden. Angeblich gibt es irgendwo eine Fähre, doch sicher waren wir uns nicht und wollen es nicht riskieren, die Verkostung zu verpassen.
Wie uns empfohlen wurde hielten wir im Weingut, Domäne Wachau, an. Bevor wir aber ankamen fuhren wir durch eine tolles und sehenswertes Dorf, Dürnstein! Hier waren sie sehr gut auf Touristen vorbereitet. Es gab Souvenirs, viele Cafés und man sah eine Menge Radfahrer, die hier Rast machten.
In der Domäne Wachau tritt man direkt in einen tollen Präsentations- und Verkaufssaal. Viel größer und viel touristischer, als wir es bisher gesehen hatten. Zuvor mussten wir an Türen klopfen und hier wurde man bereits mit einem Schild zum Eintreten eingeladen.
Wie vorher auch, fragten wir direkt und ehrlich nach einer Verkostung und der Verkäufer teilte uns mit, dass wir alles, was sich in diesem Geschäft befindet, verkosten dürften! Was für eine Nachricht!
Doch ganz so viel wollten und konnten wir überhaupt nicht testen, daher entschieden wir uns für 3 Weißweine und einen Rosé. Da man immer nur einen kleinen Schluck serviert bekommt, war das Weiterradeln nicht gefährdet, doch das würde anders aussehen, wenn wir das ganze Geschäft probieren würden!
Wir stellten fest, dass mir meistens der Riesling schmeckte und Tom mochte den Grünen Veltliner. Von Weißwein hatten wir bisher noch nicht viel Ahnung, doch eine Einführung in die Welt der Wachau, gefiel uns. Jeder teile uns übrigens mit, dass man sich Kisten nach Hause schicken lassen kann, also wer tatsächlich kaufen will und mit dem Fahrrad hier ist, kann das sogar! Für alles gibt es eine Lösung.
Nur wenige Kilometer von dem Weingut entfernt gelangten wir in die Stadt Krems, in der wir im Camping übernachten wollten.
Was für ein gelungener Tag und eine gelungene Mission! Den ganzen Tag verbrachten wir in den Dörfern der Wachau und deren wunderschönen Landschaft. Wir haben uns den ganzen Tag zeitgelassen hier hindurch zu schlendern und es war einer der schönsten Tage der Reise!
Fazit des Tages:
Wie alle uns mehrmals betonten, war die Wachau ein echter Hingucker! Sie Österreicher sind nett und herzlich, nicht alles dreht sich ums Geld! Der Weißwein der Wachau ist interessant, bekleckert habe ich mein T-Shirt übrigens mit Kaffee, nicht mit Wein.